Ent-Faltung

Ein fragmentarischer Blick auf eine persönliche Entwicklung

Andrea Ridder: O.T. 21_12_12, 90 x 130 cm, 2021
Andrea Ridder: O.T. 21_12_12, 90 x 130 cm, 2021
Andrea Ridder: O.T. 21_10_09, 90 x 130 cm
Andrea Ridder: O.T. 21_10_09, 90 x 130 cm

 

Andrea Ridder

 

Ent-Faltung

Ein fragmentarischer Blick auf eine persönliche Entwicklung

 

Dieses Projekt wurde gefördert durch das Stipendium 2021 des Landes NRW.

 

In meinem Projekt „Entfaltung“ habe ich mich im Rahmen des Stipendiums des Landes NRW 2021 intensiv mit dem Thema (Ent-)Faltung und dem klassischen Faltenwurf beschäftigt. 

Der Faltenwurf hat in der Kunstgeschichte der Malerei eine große Bedeutung. Ziel des Projektes war es, in meiner Malerei im übertragenen Sinne die Ent-Faltung des Menschen (und meine eigene Entwicklung) und im wörtlichen Sinne diverse Arten des Zusammen–, Auseinander- und Entfaltens fragmentarisch zu beleuchten und in einen bildnerischen, deutenden Zusammenhang zu bringen. Drapierungen, Faltenwürfe aus Stoff oder Blech, gefaltetes, gerolltes Papier und geschichtete Pappen, aufgerollte Netze und pflanzliches Wachstum werden ebenso thematisiert wie der klassische Faltenwurf. In 7 teils großformatigen Acrylbildern geht es mir dabei um meinen persönlichen, fragmentarischen Blick auf das Thema, den gestalterischen und ästhetischen Bildaufbau ebenso wie um das Geheimnis, welches hinter einem Vorhang oder einer Einwicklung verborgen zu sein scheint.

 

„Sich entfalten zu können“ hat natürlich etwas mit der eigenen Entwicklung zu tun, mit der Persönlichkeitsentwicklung. Es bedeutet, alte Strukturen hinter sich zu lassen, etwas Neues auszuprobieren und kreativ und schöpferisch tätig zu sein. Ein Kind kann sich im Spiel und dem schöpferischen Gestalten (und dazu zähle ich auch das Aushalten von Langeweile) und durch Lernen und Bildung als Mensch ent-wickeln und ent-falten. Entfaltung ist also immer auch Entwicklung. In diesem Projekt habe ich auch auf meinen eigenen Werdegang und mein Leben als Künstlerin geschaut. 

 

Sich entfalten zu dürfen könnte man als Luxus bezeichnen, ist aber eine Form der Freiheit und ein Grundrecht.(Der Artikel 2 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland garantiert die freie Entfaltung der Persönlichkeit.)

Der klassische Faltenwurf, gefaltete Papiere oder Bleche stehen für mich in diesem Projekt für das Verborgene, das Geheimnisvolle und symbolisieren sinnbildlich verschiedene Entwicklungsstufen. Faltenwürfe in der Mode stehen immer auch für Üppigkeit und Überfluss. Falten symbolisieren Räumlichkeit, Tiefe, Verstecktes. Inwieweit können Falten und Drappierungen verbergen, was wird hingegen aufgeblättert und gezeigt?

 

In meiner Malerei geht es mir zum einen um Flächenkompositionen, Farbzusammenspiel, fragmentarische Andeutungen und Abstraktion. Das Bild an sich hat eine Daseinsberechtigung, auch ohne eine konkrete Bildaussage: l´art pour l´art.

Zum anderen spielen realistische Elemente eine immer größere Rolle in meinen Arbeiten. Jedoch dient das realistische Element (z.T. sehr nah heran gezoomte Details) ebenso der Flächenkomposition und dem Ziel, ein Bild um des Bildes Willen zu malen. So verdeutlichen die Arbeiten zwar das Thema der Faltenmalerei, zugleich werden die Motive aber aus ihrem eigentlichen Kontext herausgenommen und den unkonkreten, abstrakten Farbflächen und Formen gleichgestellt.

Beide Malstile habe ich z.B. besonders in dem großen Diptychon vereint. Realistisch gemalte, alte Stofflappen, die ich bei meiner Arbeit verwende, wurden als (gemalte) Bildelemente ebenso integriert, wie abstrakte Formen und der gestische Farbauftrag. Da es sich um zwei Malrichtungen handelt, war es mir wichtig, dies in 2 Bildteilen zu zeigen, die zusammengenommen aber wieder ein Ganzes ergeben.

 

Die Auseinandersetzung mit dem Thema hat mir zum einen vor Augen geführt, dass die Möglichkeit der Entfaltung für mich als Künstlerin essentiell ist und es gerade auch in Zeiten von Distanz, Rückzug, (Corona-) Einschränkungen und Kontaktbeschränkungen für alle Menschen wichtig ist, sich frei entfalten zu können. Zum anderen geht es auch darum, Geheimnisse in den Bildern zu thematisieren. Genau hinzuschauen, indem der Blick auf Details gerichtet wird und Verborgenes aufgespürt wird.

 

Andrea Ridder

Dezember 2021

 

 

Andrea Ridder: O.T. 21_06_07, 100 x 140 cm
Andrea Ridder: O.T. 21_06_07, 100 x 140 cm
Andrea Ridder, O.T. 21_07_08, 140 x 100 cm
Andrea Ridder, O.T. 21_07_08, 140 x 100 cm
Andrea Ridder, O.T. 2021, Diptychon (aus der Serie "Entfaltung")
Andrea Ridder, O.T. 2021, Diptychon (aus der Serie "Entfaltung")
Ausschnitt (Detail), Diptychon, 2021
Ausschnitt (Detail), Diptychon, 2021
Im Prozess ...
Im Prozess ...