Andrea Ridder:

AFTERNOON

 

Malerei & Installation

14. Dezember 2018 – 08. Januar 2019

 

Afternoon – Nach-Mittag: das Zeitfeld zwischen Anspannung und Entspannung, zwischen Aktion und Reaktion, Höchstleistung und Reflexion. Zeit, um zu resümieren und Entscheidungen zu treffen. Menschen am Nachmittag haben noch kurz vor Feierabend die letzten Aufgaben zu erledigen, schauen auf erbrachte Leistungen des Tages zurück, legen noch mal richtig los, puschen sich mit einer Tasse Kaffee oder fahren den Computer runter und machen sich bereits auf den Heimweg. Sie stehen im Stau oder gehen zu Fuß, fahren mit dem Rad oder machen noch schnell ein paar Besorgungen, huschen durch den Regen oder wärmen ihre Gesichter in der nicht mehr ganz so stechend heißen Sonne. Die Schatten werden länger, aber noch ist geschäftiges Treiben in der Stadt, noch ist nicht die Abendruhe da.

 

Wenn der Vor-Mittag den Zeitraum umfasst, in der wir unseren Zielen nachjagen, dann ist der Nach-Mittag die Entsprechung dazu: es ist die Zeit, in der wir innehalten, resümieren und reflektieren, meditieren, abwarten und Tee trinken. Eine Zeit für Empfindungen und Eingebung.

 

Nun kommt die dunkelblaue Stunde, die für Entspannung, Gedankenreflexion, Romantik, aber auch für Melancholie und Einsamkeit steht. Der Nachmittag ist ein wichtiges Motiv in Literatur, Kunst und Musik, nach dem Motto: „Schönheit komm, der Tag ist halb vergangen“ (Novelle von Tessa de Loo) oder die „Blaue Stunde“ von Gottfried Benn (oder Ingeborg Bachmann). Es ist die ambivalente Zeit der Wahrheit undder Illusion. Der Nachmittag ist der Herbst des Tages. Langsam fällt die Dämmerung ein und nimmt reale Konturen mit, zurück bleibt eine Ahnung von Erlebtem und Dingen. Die Grenze zwischen Wachen und Träumen, zwischen Leben und Sterben, zwischen Wahrheit und Lüge verwischt, wir befinden uns in einem (mystischen?) Zustand des Übergangs. Zwielicht entsteht, wenn künstliche Beleuchtung oder Kerzenschein zum verblassenden Tageslicht hinzukommt.

Andrea Ridder, Ohne Titel (Afternoon), 120 x 100 cm, 2018
Andrea Ridder, Ohne Titel (Afternoon), 120 x 100 cm, 2018

Die Künstlerin Andrea Ridder hat sich in ihren Arbeiten intensiv mit der Mystik und Bedeutung des Nachmittags in Kunst und Literatur auseinandergesetzt. In ihren zum Teil großformatigen Bildern thematisiert sie den Übergang des Konkreten in diffuse Farbflächen, des Realistischen in die Abstraktion. Klare Linien und strukturierte Flächen verschwinden in blauen, ungewissen Schleiern, die sich durch das Bildgeschehen ziehen und konfrontieren den Betrachter mit dem Eindruck, dass in jedem Bild ein Geheimnis verborgen zu sein scheint. 

 

Zu dem Projekt gehören auch Fotografien, die in einer Installation gezeigt werden. Im Folgenden sehen Sie drei Fotoarbeiten, die das Licht und den Schatten des Nachmittags thematisieren.

Andrea Ridder, Die Schatten werden länger, Fotografie, 30 x 40 cm, limitiert, 2018
Andrea Ridder, Die Schatten werden länger, Fotografie, 30 x 40 cm, limitiert, 2018
Andrea Ridder, Die Schatten werden länger, Fotografie, 30 x 40 cm, limitiert, 2018
Andrea Ridder, Die Schatten werden länger, Fotografie, 30 x 40 cm, limitiert, 2018
Andrea Ridder, Die Schatten werden länger, Fotografie, 30 x 40 cm, limitiert, 2018
Andrea Ridder, Die Schatten werden länger, Fotografie, 30 x 40 cm, limitiert, 2018